13.11.2017: GWAR, GHOUL, HE IS LEGEND, U.S. BASTARDS - Vancouver - The Commodore Ballroom

 

Die Schuhsohlen klebrig, die Ohren taub. Das Hemd rot "gebatikt". Die Busfahrt nach Hause dauert gute zwanzig Minuten - nicht annaehrend genuegend Zeit um die Anzahl an Eindruecken passieren zu lassen. Kein Mensch spricht ueber handwerkliches Koennen oder die Setlist. Der taumelnde Mob tanzt Arm in Arm aus dem Commodore Ballroom in die Nacht, bruellt, jubelt, poebelt - letztlich war man oder frau gerade Zeuge. Nicht nur Zeuge der wahnsinnigen Thrashbulldozer U.S. BASTARDS ("keines der neun T-Shirts koenntest Du auch nur annaehrend auf der Arbeit tragen"), sondern auch der dem Psychedelic-Metal verfallenen und leider totlangweiligen HE IS LEGEND. Ein bisschen Hippie hier, etwas schizophraenes Gekreische da - Energie, Finesse und Mitreissfaktor hingegen scheint die Band um Frontmann Schuylar Croom daheim in North Carolina gelassen zu haben. Schade, denn das Vorfreudekonto teilten sich die einstigen Experimental-Progmetaller eigentlich mit den Maskenthrashern GHOUL aus "Creepsylvania" aka Oakland.
 
 
Aehnlich dem Headliner erzaehlen die Kalifornier eine Geschichte zu ihren Songs wie "Bringer Of War", "Wall Of Death" oder "Spill Your Guts": Zum (Death) Metal-Gehackstueckel und fein abgestimmten Gitarrensoli gesellen sich politisch absolut unkorrekte Charaktere, literweise Kunstblut und anstachelnde Ansagen. Herrlich, besser als Netflix und Badewanne zusammen. Ein uebergrosses Insekt, ein gigantisches Anusmonster und ein Serienkiller-Hasumeister? Das Publikum gleicht heute eher einem Kult: Volltrunkene Maenner tanzen Balletschritte in Eishockeymaske, baertige Huehnen mit Comic-Shirts klammern sich an die mit Folie abgeklebten Stuetzpfeiler. Offensichtlich stark unter Drogeneinfluss stehende Damen schweben durch den Raum und verschuetten absichtlich literweise Bier. Die Outfits vieler sind perfektioniert mit LED-Sneakern, selbstgemalten "Crush Kill Destroy" Shirts und Umhaengen - keine Muehe scheut die GWAR-Army fuer ihre Meister und Gebieter. Der geschichtstraechtige Commodore Ballroom ist bestens vorbereitet: Die Security-Staffel traegt Regenanzuege, Decke, Boden, Technik sind feinsaeuberlich mit Folie und Teppich abgeklebt. Dann die Einmarschmusik von "War On GWAR". Trotz genialer Logistik und mehrerer Ebenen wirkt die Buehne einfach zu klein fuer alles was darauf passiert: Koepfe rollen, Nazis und Spiesser werden geschlachtet, dazu pumpt das Kollektiv "I'll Be Your Monster" oder "Womb With A View" - insgesamt hauptsaechlich Material vom brandneuen Album "The Blood Of Gods" aus den Boxen. Natuerlich ist der Storyfaden nicht achtzig Minuten lang spannend - nach dem vierten Kunstblutmassaker muessen GWAR dann doch mit Kreativitaet bei den Kostuemen oder (wahrlich) der Setlist punkten. Ein ordentlicher Abriss zu "Fuck This Place" sowie das explosive ACDC-Cover "If You Want Blood" kitzeln alles aus dem Massstab heraus. GWAR und Frontmann Blothar wirken keinesfalls gealtert oder muede. Der Clan aus Virginia liefert mit "Leichtigkeit" ein unglaubliches Entertainmentpaket aus Zirkus, Horrorfilm, politischer Diskussion, Freakshow und - natuerlich - grandiosem Metalkonzert. Fragen, die nach dem bis zum Rand mit Musik und Kultur angefuellten Abend verbleiben: Wer bezahlt 10 Dollar fuer einen GHOUL-Sticker? Wird Zach Blair jemals wieder mit GWAR auf der Buehen stehen? Sind alle Besucher wirklich lebendig und heile nach Hause gekommen? Sei's drum. Ein herrlich krankes Spektakel.